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OM System OM-1
Lesezeit: 10 Minuten - 23. November 2022 - von Carsten Krieger

Die OM System OM-1 im Naturfotografie Test

Goodbye Olympus

Als Olympus 2020 den Verkauf seiner Kamera Division ankündigte, ging ein kleiner Aufschrei durch die Foto Welt. Olympus Kameras und Objektive wurden von Fotografen seit 1936 respektiert und geschätzt und der Verkauf wurde von vielen als der Anfang vom Ende für Olympus gesehen. Meine Ausrüstung bestand zu diesem Zeitpunkt aus dem Fujifilm GF System (für Landschaften) und Olympus (für alles andere), allen voran die OM-D E-M1X, die für mich nach wie vor einer der besten digitalen Kameras ist, die jemals produziert wurde. 

Die OM-1: Das Warten hat ein Ende

Wie viele andere war natürlich auch ich gespannt, was die neuen Eigentümer JIP mit der Olympus Marke anstellen würden. Als erstes änderten sie den Namen und Olympus bekam OM Digital Solutions. Die erste Kamera unter den neuen Eigentümern wurde dann Anfang 2022 angekündigt, nach einer monatelangen Webeaktion, die hohe Erwartungen schürte.
Die OM-1 (der Name ist eine Hommage an eine der klassischen Olympus Filmkameras) wirkte auf den ersten Blick leider etwas enttäuschend und erschien mehr als eine logische Weiterentwicklung der E-M1X und nicht als die neue „Superkamera“, die in der Werbung versprochen wurde. Ich werde euch nun nicht mit den detaillierten Spezifikationen langweilen – die gibt es hier zu sehen – sondern gleich in die Praxis gehen. 

Der erste Eindruck

Was mich persönlich enttäuschte, war das Fehlen des integrierten Hochformatgriffs, eines der besten Features der E-M1X. Das Seitenverhältnis des M4/3 Systems eignet sich hervorragend für die Fotografie im Hochformat, besonders in der Pflanzen- aber auch der Tierfotografie, und ein Hochformatgriff macht dies deutlich einfacher. Natürlich gibt es einen anschraubbaren Hochformatgriff für die OM-1, der kostet allerdings extra. Was ebenfalls fehlte, war ein Batterieladegerät, das man ebenfalls extra kaufen muss. Während ich das Weglassen des integrierten Hochformatgriffs noch nachvollziehen kann, so wirkt ein fehlendes Batterieladegerät wie ein verzweifelter Versuch dem Kunden mehr Geld aus der Tasche zu ziehen. 

Die Batterie der OM-1 ist ebenfalls neu, was man als Vorteil als auch als Nachteil sehen kann. Der Nachteil ist, dass man seine alten Olympus Batterien nicht weiterverwenden kann, der Vorteil, dass die neue Batterie deutlich länger durchhält: In Theorie 25% länger, in der Praxis hat sich das in etwa bestätigt und eine Batterieladung ist in der Regel genug um einen ganzen Tag durch zu fotografieren. OM-Systems hat der OM 5 einen neuen Autofokus verpasst, der dafür sorgt, dass alle Bilder noch schärfer und klarer werden. Der Autofokus arbeitet sehr solide und verfügt auch unter anderem über eine Gesichtserkennung. Sind mehrere Personen vom Autofokus erkannt worden, kann man zwischen den einzelnen Personen hin und her wechseln.

Die Verarbeitung und Haptik ist wie man es von Olympus erwartet und, falls das überhaupt möglich ist, ist die OM-1 noch stabiler gebaut und besser gegen Staub und Wasser abgedichtet als die E-M1X. Die Kamera liegt sehr gut in der Hand und alle Bedienungselemente sind da, wo man sie erwartet. In anderen Worten, Olympus Fotografen müssen sich nicht an eine vollkommen neue Kamera gewöhnen und Olympus Neulinge sollten sich schnell mit der Kamera zurechtfinden. Das bringt mich zu einer der Neuerungen der OM-1: Das Menü. Das alte Olympus Menu wurde oft als zu kompliziert und unübersichtlich kritisiert. Das neue Menu dagegen ist ausgesprochen übersichtlich und sinnvoll konzipiert, man muss allerdings etwas Arbeit investieren, wenn man das alte System gewöhnt ist. In dem Menu findet man nach wie vor all die netten und brauchbaren Features, die Olympus so besonders machen:

  • Pro-Capture,
  • Keystone Compensation,
  • Live ND,
  • Focus Stacking,
  • Live-Composite,
  • HDR
  • und einen High Resolution Mode. 

Der neue Sensor

Die beiden größten Neuerungen der OM-1, die besonders die Ergebnisse in der Sport- und Tierfotografie verbessern sollten, sind ein neuer Sensor (der auch mit einem neuen Prozessor ein herkommt) und ein verbessertes Autofokussystem.

Der Sensor hat die gleiche 20MP Auflösung wie seine Vorgänger, ist aber im Gegensatz zu diesen ein moderner, sogenannter Stacked BSI Sensor, ein Sensor Design, das bereits in vielen anderen Kameras verwendet wird. Der Vorteil dieses neuen Sensor Designs ist, dass Daten sowohl schneller verarbeitet als auch schneller weitergeleitet werden können (die OM-1 bietet daher Serienbilder bis zu 120fps). Außerdem sollte der Sensor auch ein verbessertes Rauschverhalten bei hohen ISO-Einstellungen aufweisen. In der Praxis relativiert sich das alles aber ein wenig. Die OM-1 ist mit Sicherheit schneller in der Datenverarbeitung, im Rauschverhalten konnte ich aber keinen nennenswerten Unterschied erkennen. Für mich ist ISO1600 immer noch die Obergrenze (in Notfällen geht es auch gerade noch bis ISO6400), da es bei höheren ISO-Einstellungen schwerer wird, Details in Federn und anderen feinen Strukturen zu erhalten (eines der größten Nachteile des kleineren Micro 4/3 Sensors). Was sich allerdings verbessert hat, ist die Wiederherstellung von Details in den Spitzlichtern.

Das Wunder des KI (Künstliche Intelligenz)-Autofokus

Das neue Autofokussystem bietet 1053 Fokuspunkte, die 100% des Sensors abdecken (die E-M1X hatte 121 Fokuspunkte, die 70% des Sensors abdeckten), was besonders von Vorteil ist, wenn sich das Hauptmotiv in der Nähe des Bildrandes befindet. Weit wichtiger aber ist die KI-Motiverkennung, die erstmals mit der E-M1X eingeführt wurde. Diese Funktion wurde in der OM-1 erweitert und deutlich verbessert. Um ehrlich zu sein, macht dies die Tierfotografie im Allgemeinen und die Vogelfotografie im Besonderen viel zu einfach. In den 6 Monaten, in denen ich mit der OM-1 gearbeitet habe, gab es kaum Momente, in denen die Kamera den Vogel nicht entdeckte, auch wenn dieser durch Äste oder Blätter halb verdeckt war. Sobald die Kamera den Vogel identifiziert hat, erscheint ein Kasten um das Tier, in vielen Situationen erkennt die Kamera sogar das Auge, das dann ebenfalls von einem Kasten umrandet wird. Ein kleines Problem taucht auf, wenn mehr als ein Vogel im Sucher erscheinen. Hier hilft es den Fokuspunkt manuell auf den Vogel zu legen, den man scharf abgebildet haben möchte, ansonsten springt der Kasten von einem Vogel zum nächsten und es wird schwierig ein scharfes Bild zu bekommen.

So weit, so gut. Die Kamera erkennt den Vogel, wird dieser dann aber auch scharf abgebildet? Leider nicht immer. Bei einem klaren Hintergrund ist die Erfolgsrate nahezu 100%, ist der Hintergrund aber unruhiger, zeigt der Sucher zwar die Kästen an, der AF fokussiert aber, aus welchen Gründen auch immer, auf Objekte direkt hinter dem Vogel. Es empfiehlt sich in diesen Situationen den Fokuspunkt manuell auf den Vogel zu legen. Ein interessanter und sehr willkommener Nebeneffekt der Motiverkennung für Vögel ist, dass die gleiche Einstellung auch Insekten und manche andere Tiere erkennt (es gibt auch eine Einstellung für Hunde und Katzen, die ich allerdings nicht aufprobiert habe). Alles in allem ist das AF-System der OM-1 sehr beeindruckend und eines der Besten auf dem Markt.

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Für weitere Info hier klicken. Artikel: OM SYSTEM OM-1 Gehäuse
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OM SYSTEM OM-1 Gehäuse

  • 20 Megapixel, Stacked BSI Sensor
  • 8 Blendenstufen Bildstabilisator
  • kompakt, leicht, wetterfest - (IP53 Spritzwassergeschützt)
  • vielseitige High-End-Kamera
  • atemberaubende 120 Bilder pro Sekunde im RAW-Format
  • 4K 60P Video Auflösung (10bit H265)
  • Quad-Pixel-Autofokus
  • 4:4:4 C4k ProRes Raw Movie
  • Live ND64 Filter
  • elektronischer Sucher (5.760k Punkte)
  • Display 7,6 cm (1620k Punkte)

Bildqualität der OM System OM-1

Zu guter Letzt ein kurzer Blick auf die Bildqualität der OM-1. Wie bereits erwähnt hat sich im Rauschverhalten nicht viel geändert und der Sensor hat immer noch „nur“ eine Auflösung von 20MP, es gibt aber einen High-Res Mode der Auflösungen von 50MP und 80 MP ermöglicht, aber nur für statische Motive geeignet ist (im High Res Mode nimmt die Kamera 8 oder 16 Einzelbilder auf, zwischen denen der Sensor leicht verschoben wird und die dann zu einer Datei zusammengefügt werden). Kleiner Tipp am Rande: Der High Res Mode eignet sich sehr gut für Küstenlandschaften. Hier agiert der High-Res Mode gleichzeitig als Graufilter zur Verlängerung der Belichtungszeit, was zu der beliebten, samtweichen Erscheinung des Wassers führt.

In den meisten Situationen sind 20MP aber mehr als genug, besonders wenn man in Betracht zieht, dass man heutzutage die Dateien in der Nachbearbeitung nahezu ohne Qualitätsverlust vergrößern kann. Die OM-1 RAW-Dateien vertragen diese Prozedur sehr gut (ich nutze Lightroom oder Topaz Gigapixel AI), vorausgesetzt das Motiv ist perfekt fokussiert.

Wie alle vorherigen Olympus Kameras, so produziert auch die OM-1 nahezu perfekte Bilddateien mit wunderschönen und korrekten Farben und guten Kontrast und vielen Details (was sicherlich auch mit an den fantastischen Olympus Pro Objektiven liegt), was arbeitsintensive Nachbearbeitung überflüssig macht. Schatten als auch Spitzlichter lassen sich gut wiederherstellen, auch wenn die Möglichkeiten verglichen mit Vollformat Kameras etwas geringer sind.

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Fazit (aus der Sicht des Naturfotografen)

Die große Frage ist nun natürlich, ob es sich lohnt in die OM-1 zu investieren. Für Olympus (Natur-) Fotografen ist die Antwort ein klares „Ja“. Die Kamera ist vermutlich die Beste, die Olympus… OM Digital Solutions je produziert hat, auch wenn es nicht die „Wunderkamera“ ist, die viele erwartet haben. Für Naturfotografen, die (wie ich vor einigen Jahren) nach einer kleineren und leichteren Alternative suchen, ist die Antwort ebenfalls ein „Ja“. Die OM-1 in Kombination mit dem Olympus 300mm/f4 (600mm Vollformat Äquivalent) ist eine erschwingliche und leichte Alternative zu den schweren und unhandlichen Vollformat Monstern und macht die Tierfotografie zu einem angenehmen Erlebnis. 

Über den Autor: Carsten Krieger

Carsten Krieger lebt und arbeitet als freiberuflicher Fotograf und Autor mit dem Schwerpunkt Natur und Landschaft in Irland. Carsten ist außerdem als Redakteur für die Crossbill Guides Foundation tätig, für die er auch den Crossbill Guide to Ireland verfasst hat. Mehr Informationen über Carsten und seine Arbeit gibt es auf seiner Webseite www.carstenkrieger.com

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